Wochenendseminar
16.03.2019 – 17.03.2019

280,00 exkl. MwSt.

Wege der Überlieferung

In den westlichen und östlichen heilkundlichen Traditionen stellt jene „Kunst“ einen Kernaspekt dar, welche wir allgemein als „Spagyrik“ oder auch als „Alchymie“ bezeichnen. Beide Begriffe sind gleichbedeutend, der erste stammt aus dem griechischen, der letztere vermutlich aus dem zentralasiatischen Raum, wo noch heute in einem Dialekt „i-kymia“ für „Trinkgold“ steht, also die Kunst nach einem ihrer höchsten Produkte, dem Aurum Potabile benannt wurde.

Im Abendland wird in diesem Zusammenhang gerne Paracelsus zitiert, welcher in einer langen Reihe Kundiger, vor ihm und nach ihm stand und der wegen seiner aussagekräftigen Formulierungen beliebt ist. Solch ein paracelsisches Zitate-Konglomerat ist durchaus geeignet, die Sache zu beschreiben, i.e.:

„Drum so lern Spagyria, die sonst genannt Alchymia, die lernt das Rechte scheiden vom Falschen. Alchymie, das ist die Kunst des rechten Umgangs mit den Dingen der Natur. Welcher ist ein Alchymist? Der Ackermann, der Rebenmann, der Bäcker, der Weber und alle jene, welche die Dinge der Natur dem Menschen zum Nutzen bereiten. Das höchste aber ist die Arznei. Die Grundlage der Kunst ist ars signaturae, das ist die Kunst, die Zeichen an den Dingen zu erkennen. Ohne diese Kunst hat alles andere ein Loch.“

So stellt die Spagyrik / Alchymie – basierend auf der Signaturenkunde – eine der vier Säulen der Heilkunst dar. Sie handelt von Naturverständnis, begreifen des Webwerks der Kräfte in Mensch, Natur und Kosmos, den Planetenkräften, den 5 Elementen, den Säften etc. und darüberhinaus von der praktischen Anwendung dieses Wissens in der Präparation von Essenzen, Quintessenzen, Elixiren und dergleichen aus den „Dingen der Natur“, insbesondere Pflanzen, Mineralen und Metallen. Jener praktische Aspekt ist wesentlich und beweist gewissermaßen „im Feuer“, im Tiegel oder in der Retorte die Stimmigkeit der zugrundeliegenden Naturphilosophie, welche – wiederum mit Paracelsus‘ Worten – „ihren Grund in der Natur haben muß – und nicht spintisierenden Köpfen entsprungen, welche ihr Wissen nur aus dem Polsterzipf ziehen“.

Alchymie ist also durchaus als Kunsthandwerk zu verstehen und einzig als solches auch traditionell in hunderten authentischen Texten der letzten Jahrhunderte belegt. Es handelt sich dabei zweifellos um einen großen Schatz, welchen es innerhalb der abendländischen heilkundlichen Traditionen noch zu heben gilt und ebenso wieder in sein gebührliches Zentrum zu setzen, wie dies in den östlichen und indigenen Tradtionen bis heute der Fall ist.

Im indischen Ayurveda ist die Bezeichnung dieser Kunst Rasa Shastra, welches dieselbe Bedeutung hat, nämlich Wissen von den Naturkräften; vom Naturgeist; vom „Geschmack“ bzw. vom Wirkenden in den Dingen der Natur (Rasa = Hermes; Merkur; der Naturgeist / Shastra = Wissenschaft). Gleich wie dort die Überlieferungen seit mindestens 6500 Jahren bewahrt wurden, gehen auch die abendländischen alchymistischen Traditionen soweit in der Zeit zurück, dass diese Kunst als „eine Zeitlose“ bezeichnet wird, bzw. „Mutter Alchymia“ als „Mutter der Heilkunst“.

Ort: Hotel Sperlhof, Windischgarsten/OÖ
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