TEM-AKADEMIE

AKADEMIE FÜR TRADITIONELLE EUROPÄISCHE MEDIZIN GMBH

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Fortbildung 5 | 2015 – 2018

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Modul 5 | Traditionelle Heilsysteme


15.09.2018 bis 16.09.2018 - € 280,00 exkl. MwSt.

Einführung in die TCM | Dr. Leopold Spindelberger

Die Wurzeln der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gehen zurück bis in die Ursprünge der chinesischen Geschichte, an deren Anfang 5 legendäre Kaiser standen (2852 –2205 v. Chr.). Daher kann die TCM auf einen Wissens- und Erfahrungsschatz von über 4000 Jahren zurückblicken, der im Lauf der Zeit systematisiert und ausgebaut wurde. Der Mensch wurde dabei immer als seelisch-, geistig-, körperliche Einheit gesehen und in ihrem Mittelpunkt stand von jeher die Gesunderhaltung und das Erreichen eines hohen Alters in guter Gesundheit. Die Chinesen nannten und nennen das noch immer die Kunst des „Langen Lebens“.

Dieses Seminarwochenende bietet eine Einführung in die TCM mit den Schwerpunkten Konstitution und Bedeutung von Gefühlen und Emotionen für den Energiefluss des Qi (= Lebensenergie) und die Gesundheit. Weiters werden Verbindungen und Vergleiche zur TEM und zur modernen westlichen wissenschaftlichen Medizin hergestellt.

Anmeldung

13.10.2018 bis 14.10.2018 - € 280,00 exkl. MwSt.

Traditionelle Persische Medizin | Dr. Mahdi Alizadeh & Dr. Meysam Shirzad

In english:

Anmeldung

17.11.2018 bis 18.11.2018 - € 280,00 exkl. MwSt.

Ayurveda | Peter Hochmeier


Was macht das Ayurveda so bedeutsam

für jene Menschen, welche sich in der heutigen Zeit mit den europäischen Traditionen der Heilkunst befassen?

Wir verstehen unter dem Begriff "Ayurveda" eine Sammlung vieler Systeme und Überlieferungen, die im frühmittelalterlichen Nordindien (v.a. den heutigen Gebieten des Punjab, Pakistan und Afghanistan) – oft nach Jahrtausenden der mündlichen Weitergabe – in umfangreichen Textwerken, wie jene von Charaka, Shushruta und Nagarjuna, schriftlich notiert worden sind. Inhaltlich erstrecken sich die Texte auf das gesamte Spektrum der "Kunst" (um hier den paracelsischen Begriff zu setzen), also auf Natur- und Menschenkunde, Kräuterkunde, Mineralogie, Metallurgie, Physiologie, Anatomie, Chirurgie, Pathologie, Signaturenkunde, Befundung, Rezeptur, Iatrochymie, Alchymie, Präparation, Gerätschaften, Philosophie, Hermetik, Kosmologie und viele Gebiete mehr.

Zur einen Seite hin – nämlich in Betrachtung von Hintergründen und Vergangenheit – ist die Frage nach Ursprungsort und "Entstehung" dieses Wissens müßig, und seine Wurzeln entschwinden dem forschenden Blick weit in der Urzeit. Zur anderen Seite hin – zur Entstehungszeit jener Texte, nach denen bis heute gelehrt wird – erkennen wir bald, welche Werte dieser Schatz für den suchenden und lernenden Menschen westlicher Prägung im Zuge der Jahrhunderte erlangt hat. Und der liegt besonders darin, daß all jene Widrigkeiten, welche die abendländischen Schulen und Traditionen der Natur- und Heilkunde während der letzten, etwa 2000 Jahre erfahren mußten, in den östlichen Weltgegenden kaum Auswirkung hatten. Erst ab dem 16. Jhdt. traf es diesbezüglich manche Regionen Nordwest und Mittelindiens schwer, wo zuerst durch die Fackeln der islamischen Eroberer die Bücher und Schulen in Flammen aufgingen. Danach folgten die Raubzüge der Briten und ihre jahrhundertelange Diktatur, während dieser noch weitere Schulen und Zweige des Ayurveda beinah vernichtet oder zumindest in den Untergrund gedrängt worden waren. Gleichzeitig erfolgte in den Gebieten des heutigen Afghanistans (insbesondere Kafiristans) im 19. Jhdt. jene letzte große Zwangsislamisierung, im Zuge derer – wie berichtet wird – die großen Feuer auf den Bergen monatelang brannten, weil dort die großen Bibliotheken mit Werken aus der griechisch-baktrischen und griechisch-indischen Epoche, bis zurück in die alte vedische Zeit und darüber hinaus, gesucht und vernichtet wurden. Millionen Bände, und ganz zu schweigen von den ungezählten Wissenden und Kundigen selbst, ging so an den Geburtsorten des heutigen "Ayurveda" verloren und dennoch – diese ganze Vernichtungsmaschine urzeitlich-menschlicher Kultur erreichte niemals jenen schrecklichen Grad, welchen die westliche Welt schon seit der römischen Zeit in zunehmendem und immer umfassenderem und durchdringendem Maße erleiden musste.

Die Chance in der Zusammenschau ayurvedischer und westlicher Überlieferungen besteht nun darin, die Restfragmente dessen, was hier erhalten geblieben ist, von dort zu ergänzen, und zwar nicht durch "Zusammenfügung", sondern durch ein mehr und mehr wachsendes Verständnis des "Ganzen". Alleine die Kräuter und Pflanzen mögen je nach Region verschiedenartig sein – es wächst aber im Westen auch nicht der griechische Salbei in Lappland und die Zitrone der Italiener bei den Schotten. Aber das Begreifen von Natur, Kosmos und Heilkunst, die innere Art des Menschen und der "natürlichen Dinge" allgemein und die "Kunst des Umgangs" damit – das ist in Ost und West dasselbe.

Schon die alten Griechen, welche neben den Kelten, Germanen und indigenen Völkern eine Hauptsäule der späteren europäischen Kultur (im eigentlichen Sinne) waren, pilgerten lernender Weise in die östlichen Gegenden ihres alexandrinischen Reiches (welches für sich schon bis ins heutige Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Pakistan und Nordindien reichte), große Konferenzen wurden abgehalten in indischen und zentralasiatischen Städten und wichtige Texte ausgetauscht. Aus Sicht der Natur hat es nie diese "Trennung" von Ost und West gegeben, welche sich heute nach jahrhundertelangem Suggestiv und politischem Schauspiel in vielen Köpfen eingenistet hat. Immer schon lernte einer vom andern – und "diese" Tradition setzt sich bis heute fort. Was hat Paracelsus gelernt von den "Fahrenden", auf die er sich gerne bezieht? Jenes "Ayurveda" im weitesten Sinne, das sie aus dem Osten mitgebracht haben. Wen hat er besucht, auf seinen Reisen zur Krim, welche damals buddhistisch und schamanistisch war? Er hat Dinge gewußt und größere Zusammenhänge verstanden, was ihn zu einer so bedeutsamen Persönlichkeit bis in unsere Zeit hinein gemacht hat. Die vielen Anderen von seiner Art, deren Namen uns gar nicht bekannt sind, weil sie es nicht für nötig befanden, sich selbst, ihr Handeln und Reisen in die Historien der Weltmächtigen hinein zu befördern, haben am wesentlichsten dazu beigetragen, daß während der vergangenen 500 Jahre Künstler und Kundige aus stets frischen Quellen zu schöpfen vermochten.

Aus solchen und mehreren Gründen ist es unerläßlich die Lehren des Ayurveda tiefer kennenzulernen.

Peter Hochmeier


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